Nachdem ich die ersten Kapitel Beffaná Im Frühjahr 2011 fertig geschrieben hatte, zeigte ich sie ein paar Leuten. Freunden, Familie. Einige meinten nach dem Lesen, dass sie manche Formulierungen etwas umständlich oder gestelzt fänden.
Ja, sagte ich, das liege vielleicht an den Jamben.
Hä? sagten sie.
Ja, sagte ich. Die komplette Geschichte sei in einer jambischen Metrik geschrieben. Das sei insofern etwas tricky, da der Name der Hauptfigur (Beffaná) nun ausgerechnet ein Daktylus sei und daher immer in anderthalb Jamben gepresst werden müsse, wobei die erste Silbe der Auftakt sei. Und „Weihnachtshexe” wiederum sei in der Alleinstellung ein zweihebiger Trochäus, benötige also regelmäßig einen Artikel wie „die Weihnachtshexe“.
Watt? sagten sie.
Ja, sagte ich. Wobei das im Deutschen ja auch etwas schwierig zu definieren sei, schließlich könne, je nach Erzählfluss, ein Jambus auch als Trochäus mit Auftakt interpretiert werden.
Genau, sagten sie, Klugscheißer.
Gut, sagte ich, dann sei das ja geklärt.
Was denn jetzt mit den umständlichen Formulierungen sei, fragten sie. Ob ich das denn wirklich so lassen wolle. Das lese sich irgendwie falsch, Jamben und schlaue Erklärungen hin oder her. Bei Geschichten gehe es doch um, eben, die Geschichte, und nicht um diesen anderen Scheiß.
Okay sagte ich, da habt Ihr recht. Darf ich es Euch vorlesen?
Und las es ihnen vor. Und als ich fertig war, sagten sie: Bei Dir klingt das vollkommen in Ordnung.
Hm, sagte ich. Ich glaube, ich habe ein Hörbuch geschrieben.
Die Jamben, die Jamben

5 Kommentare zu „Die Jamben, die Jamben

  • Dezember 1, 2016 um 4:16 pm
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    Genau das Empfinden hatte ich auch beim Lesen der Geschichte 2000 undX, damals hieß die Weihnachtshexe noch Gwendolin: Irgendwie ein Wiegerhythmus, der einen beim LESEN der Geschichte leicht irritiert. Dass es sich dabei um Jamben handelte, fiel mir – trotz einiger Semester Germanisik – nicht auf; mir war nur der Begriff noch halbwegs geläufig. Nach Ihrem Hinweis auf Jamben las ich dann einige Abschnitte laut. Und dabei kam mir das große Aha-Erlebnis: Hier stimmt alles für ein schönes HÖRBUCH, was nun ja auch wunderbar umgesetzt ist, so mein Eindruck nach dem ersten Kapitel.
    Ich freue mich auf die nächsten!
    Helene

  • Dezember 1, 2016 um 4:29 pm
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    Vielen Dank Helene,
    stimmt genau! Als wir uns (2013 war das) über die Geschichte unterhalten haben, waren Sie die allererste, die das so klar formulieren konnte Dafür (und die vielen anderen kleinen Tipps und Korrekturen damals) noch einmal ganz herzlichen Dank!

    Die Hexe hieß damals tatsächlich Gwendolin. Das war in einer Phase, als ich keine Lust mehr hatte, Außenstehenden zu erklären, wie man Beffaná richtig betont… 😉

  • Dezember 4, 2016 um 10:08 am
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    Ich sage schon mal Danke und das auch im Namen meiner Kinder.
    Habe mir gerade (um Trafik zu sparen) die Folgen 2-4 über PC geholt und schiebe sie gleich aufs Handy. Man muss ja was für die Autofahrt haben…..

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